Halbwegs frisch und munter machten wir uns am nächsten Morgen auf zum Frühstück. Der riesige Saal war laut und voll und völlig unübersichtlich. Doch im Nebenraum fanden wir einen Platz und waren gespannt, was das Büffet hergeben würde.
Ein herzhaftes, fettiges Mahl mit dicken sausages, weißen Bohnen, Rühr- und Spiegeleiern, mushrooms kam für mich keinesfalls in Frage. Aber mit einem halbwegs frischen Brötchen konnte ich mich durchaus zufrieden geben. Der Kaffee am Morgen war eine Klasse für sich. Denn würde ich behaupten, er wäre einfach nur stark, wäre das die Untertreibung des Jahres! Zumindest jagte er die Restmüdigkeit ganz geschwind davon und wir waren gerüstet für einen abenteuerlichen Tag in der fremden Stadt.
Bus und U-Bahn führten uns kreuz und quer durch die Stadt. Trafalgar Square, Big Ben, London Eye. Von dem gigantischen Riesenrad aus führte ein breiter Boulevard entlang der Themse uns in Richtung Waterloo. Flankiert wurde dieser Fussweg von unzähligen bunten, schrillen, teils skurrilen Straßenkünstlern. Ein herrliches Spektakel.
Mit brennenden Waden und völlig überhitzt, denn die Sonne lachte den ganzen Tag und bescherte uns allerschönstes Strandwetter, fuhren wir mit der U-Bahn weiter in Richtung Oxford-Street. Ohne den Mund zu voll zu nehmen kann ich behaupten, dass diese die größte, vielfältigste, überfüllteste Shoppingmeile schlechthin war, die ich bisher je gesehen hatte. Die Ansammlung verschiedenster Menschen, die unzähligen Geschäfte, das gesamte Ausmaß, war einfach überwältigend. Reizüberflutung total.
Eine kleine Pause war dringend nötig. Und das Ziel sofort klar, als ich das Apfel-Zeichen an einem der Läden hängen sah. Apple. IPad. Das musste ich sehen. Mindestens zwanzig dieser topmodernen Geräte luden zum Ausprobieren, Anfassen, Testen ein. Mehr oder weniger geduldig reihte ich mich in der Schlange ein und konnte schon nach wenigen Minuten selbst so ein iPhone in Übergröße in den Händen halten. Die erste Etage war nicht so sehr überlaufen. Ein MacBook war frei. Das Internet ebenfalls. Also schnell die Pause nutzen und emails checken. Apropos Internet. Das von uns gewählte Hotel bot ebenfalls W-Lan Nutzung an. Doch die Gebühren hierfür, schlappe 20 £ für 24 Stunden, waren definitiv to much. Die bessere Variante bzw. die günstigere ist ein Abstecher in die Regent Street, in der man diesen besagten Apple-Store findet. (und alles an Technik, was das Herz begehrt. :D)
Die letzte Station an diesem eh schon völlig überfüllten Tag war ein Besuch in Soho und Chinatown.
Im ersteren betraten wir einen als Bookstore getarnten Laden, der einen winzigen Hinweis darauf enthielt, was sich in der unteren Etage befand. "Are you over eighteen?" Die Frage hielt ich zunächst für einen dümmlichen Witz. Es dauert ja schließlich nicht mehr lange, dann bin ich bereits zweimal over eighteen. Doch der Nachsatz des Verkäufers "There you will see dirty things." war Einladung genug und so stiegen wir die kurze Treppe hinab. Aber ganz ehrlich: den Besuch war es nicht wert.
Das war Tag zwei.
Mittwoch, 9. Juni 2010
Dienstag, 8. Juni 2010
London/1
So ein Trip in eine fremde Stadt ist ein Highlight. Ein Abenteuer. Und ein Ausflug in diese Stadt ein echtes Erlebnis. London. Die Stadt voller Gegensätze. Starbucks und Big Ben.
Angekommen in der Stadt, die niemals ruht, der erste Schock: Ich wusste von dem Linksverkehr. So wie jeder halbwegs gebildete Mitteleuropäer. Und doch ahnte ich nicht, welche weit reichende Konsequenzen der spiegelverkehrte Straßenverkehr hat. Look left/look right. An jeder Fussgängerampel war dieser deutliche Hinweis aufgezeichnet. Und für Leute mit Tendenz zur rechts/links-Schwäche kennzeichnen Pfeile die Richtung, auf die der Fussgänger sein Augenmerk legen sollte. Ich entschied mich für die Pfeile.
Und trotzdem. Sobald eine kleinere Querstraße den Hauptweg kreuzte, begann das Chaos im Kopf. In welche Richtung muss ich schauen? Wohin fährt das Auto, dass gerade in meine Richtung abbiegt? Kompliziert.
Die nächste Entdeckung: die Engländer sind ein ungemein höfliches, freundliches Volk. Vor jedem Satz fließt ein Sorry oder Excuse me ganz automatisch über ihre Lippen. Diszipliniert suchen das Ende einer jeden Schlange auf und stellen sich hinten an. Das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, aber diese Regel ist einfach zu befolgen. Völlig gegensätzlich dazu war wiederum die Tatsache, dass ausschließlich Touristen auf das Grün der Ampel warten. Stoisch und ohne ohne Hast überquerten Einheimische geflissentlich jede rote Ampel. Jederzeit. Sogar im dicksten Berufsverkehr.
London. Eine Stadt mitten in Europa und doch eine fremde Welt. Zumindest für Provinzler wie mich. Selbst Berlin als Großstadt und das Wälzen von Insider-Reiseführern kann nicht darauf vorbereiten, was einen hier erwartet. Nicht nur, dass der Verkehr in die falsche Richtung fließt, sogar die Uhren ticken anders. Eine Stunde zusätzlich, die auch sogleich genutzt werden musste.
Im Hotel angekommen warteten wir zunächst eine halbe Stunde auf den Bezug unseres reservierten Zimmers. Die bange Frage, was uns dort wohl erwarte, löste sich bei Betreten in Luft aus. Ein schmaler Gang, ein Schrank, ein Tisch, ein Stuhl, zwei Betten, ein winziges Bad. Mehr war nicht nötig.
Der erste Tag: durch den Hyde-Park, mit einem Starbucks-Kaffee in Richtung Harrods, weiter nach Notting Hill zum berühmten blauen Haus, welches inzwischen schwarz gestrichen ist, anschließend zur berühmten Tower Bridge und spät am Abend völlig ko zurück ins Hotel.
Angekommen in der Stadt, die niemals ruht, der erste Schock: Ich wusste von dem Linksverkehr. So wie jeder halbwegs gebildete Mitteleuropäer. Und doch ahnte ich nicht, welche weit reichende Konsequenzen der spiegelverkehrte Straßenverkehr hat. Look left/look right. An jeder Fussgängerampel war dieser deutliche Hinweis aufgezeichnet. Und für Leute mit Tendenz zur rechts/links-Schwäche kennzeichnen Pfeile die Richtung, auf die der Fussgänger sein Augenmerk legen sollte. Ich entschied mich für die Pfeile.
Und trotzdem. Sobald eine kleinere Querstraße den Hauptweg kreuzte, begann das Chaos im Kopf. In welche Richtung muss ich schauen? Wohin fährt das Auto, dass gerade in meine Richtung abbiegt? Kompliziert.
Die nächste Entdeckung: die Engländer sind ein ungemein höfliches, freundliches Volk. Vor jedem Satz fließt ein Sorry oder Excuse me ganz automatisch über ihre Lippen. Diszipliniert suchen das Ende einer jeden Schlange auf und stellen sich hinten an. Das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, aber diese Regel ist einfach zu befolgen. Völlig gegensätzlich dazu war wiederum die Tatsache, dass ausschließlich Touristen auf das Grün der Ampel warten. Stoisch und ohne ohne Hast überquerten Einheimische geflissentlich jede rote Ampel. Jederzeit. Sogar im dicksten Berufsverkehr.
London. Eine Stadt mitten in Europa und doch eine fremde Welt. Zumindest für Provinzler wie mich. Selbst Berlin als Großstadt und das Wälzen von Insider-Reiseführern kann nicht darauf vorbereiten, was einen hier erwartet. Nicht nur, dass der Verkehr in die falsche Richtung fließt, sogar die Uhren ticken anders. Eine Stunde zusätzlich, die auch sogleich genutzt werden musste.
Im Hotel angekommen warteten wir zunächst eine halbe Stunde auf den Bezug unseres reservierten Zimmers. Die bange Frage, was uns dort wohl erwarte, löste sich bei Betreten in Luft aus. Ein schmaler Gang, ein Schrank, ein Tisch, ein Stuhl, zwei Betten, ein winziges Bad. Mehr war nicht nötig.
Der erste Tag: durch den Hyde-Park, mit einem Starbucks-Kaffee in Richtung Harrods, weiter nach Notting Hill zum berühmten blauen Haus, welches inzwischen schwarz gestrichen ist, anschließend zur berühmten Tower Bridge und spät am Abend völlig ko zurück ins Hotel.
Sonntag, 16. Mai 2010
Happy End!
Also für einige Tage war ich ziemlich übel gelaunt, verärgert, genervt, ja wohl ein bissel angepsssssst.
Der Grund hierfür eine Lappalie. Ein Buch, welches ich soeben gelesen hatte, endete abrupt und jäh. Und zwar ohne Happy End! Das fand ich wirklich doof. Na klar, im realen Leben gibts oftmals kein "...und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende... in der eigenen Villa mit fünf Kindern, einem großen schwarzen Hund blablabla..." Stattdessen Rosenkrieg, Scheidungskinder, Alkoholmissbrauch, sozialer Abstieg, Existenzängste etc. Jedoch in der Literatur wird erwartet, nein regelrecht verlangt, dass am Ende alles gut wird. Der mehr oder weniger ausgeprägte Romantiker in jedem von uns (bei mir nur minimal, aber doch irgendwie existent) braucht ein positives Resümee, ein bissel Glaube, ein Stückchen Hoffnung.
Irgendwo las ich in näherer Vergangenheit, dass jeder Text, egal welcher Art, einen Nutzen bringen muss. Er muss einen bestimmten Zweck erfüllen, sonst sind die geschriebenen Worte eben nur geschriebene (leere) Worte und völlig überflüssig. Wenn man Bücher liest, gute wohlgemerkt, fühlt man sich hinein in die Protagonisten, begleitet die Romanhelden auf ihrem Weg. Überlegt, entscheidet, ob sie richtig handeln, missbilligt Fehler, die sie begehen oder bringt Verständnis dafür auf. Je nachdem. Der Nutzen solcher Texte also ist Trost und Hoffnung. Trost für eine vielleicht ähnlich bittere Erfahrung und die Aussicht darauf, dass doch noch alles gut wird. So, um diesen Trost, diese Hoffnung fühlte mich beim beiseite Legen des gerade ausgelesenen Buches betrogen.
Nur gut, dass ich kurz darauf erfuhr, dass es eine Fortsetzung des Romans gab, welche ich dann auch innerhalb einer Nacht verschlang und am nächsten Morgen endlich endlich mein Happy End bekam. Danke schön. Nun gehts mir wieder besser. Wirklich wahr.
Der Grund hierfür eine Lappalie. Ein Buch, welches ich soeben gelesen hatte, endete abrupt und jäh. Und zwar ohne Happy End! Das fand ich wirklich doof. Na klar, im realen Leben gibts oftmals kein "...und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende... in der eigenen Villa mit fünf Kindern, einem großen schwarzen Hund blablabla..." Stattdessen Rosenkrieg, Scheidungskinder, Alkoholmissbrauch, sozialer Abstieg, Existenzängste etc. Jedoch in der Literatur wird erwartet, nein regelrecht verlangt, dass am Ende alles gut wird. Der mehr oder weniger ausgeprägte Romantiker in jedem von uns (bei mir nur minimal, aber doch irgendwie existent) braucht ein positives Resümee, ein bissel Glaube, ein Stückchen Hoffnung.
Irgendwo las ich in näherer Vergangenheit, dass jeder Text, egal welcher Art, einen Nutzen bringen muss. Er muss einen bestimmten Zweck erfüllen, sonst sind die geschriebenen Worte eben nur geschriebene (leere) Worte und völlig überflüssig. Wenn man Bücher liest, gute wohlgemerkt, fühlt man sich hinein in die Protagonisten, begleitet die Romanhelden auf ihrem Weg. Überlegt, entscheidet, ob sie richtig handeln, missbilligt Fehler, die sie begehen oder bringt Verständnis dafür auf. Je nachdem. Der Nutzen solcher Texte also ist Trost und Hoffnung. Trost für eine vielleicht ähnlich bittere Erfahrung und die Aussicht darauf, dass doch noch alles gut wird. So, um diesen Trost, diese Hoffnung fühlte mich beim beiseite Legen des gerade ausgelesenen Buches betrogen.
Nur gut, dass ich kurz darauf erfuhr, dass es eine Fortsetzung des Romans gab, welche ich dann auch innerhalb einer Nacht verschlang und am nächsten Morgen endlich endlich mein Happy End bekam. Danke schön. Nun gehts mir wieder besser. Wirklich wahr.
Ähm - Häh?!?
Letzten Freitag in der Disco.
Etwas müde, ziemlich ko und viel zu nüchtern saßen wir in der bequemen Raucherecke und taten das, was an einem solchen Abend wohl das übliche ist. Die Musik war grottig, das Publikum übersichtlich und erwähnte ich schon, dass ich so gut wie nix betäubend-belustigendes wie zum Beispiel eine ausreichende Menge Ethanol in meinem Blutkreislauf hatte? Wir saßen also da und unterhielten uns. Nebenbei ließ ich meinen viel zu klaren Blick in der schummrigen Gegend umher schweifen. Vielleicht kreuzte ja ausgerechnet an diesem Abend Mr. Perfect meinen Weg oder wenigstens den meiner beisitzenden Freundin und das zumindest sollte mir nicht verborgen bleiben. Sofortige Maßnahmen nämlich wären die Folge. Aber.... nichts! Wie immer und wie auch nicht anders zu erwarten gewesen wäre. Statt dessen blieb mein geschultes Auge an einer für mein Verständnis bizarren, abstrakten Szene hängen:
Ein Pärchen, welches wohl keines war, hielt sich eng umgschlungen im Dämmerlicht. Stehend und körperlich so nah, dass kein Blatt Papier dazwischen gepasst hätte. Ein Arm fest um seinen Hals geschlungen, ein Arm um ihre Taille gelegt. Während sie so dicht aneinander gepresst standen, so als würden sie sich gegenseitig wärmen müssen, war ihr Gesicht vom leuchtenden Display ihres Handys erhellt! Ein weiterer Blick bestätigte meine Befürchtung: auch er war völlig auf den klitzekleinen Bildschirm seines Mobiltelefons fixiert.
Ähm, was bitteschön war denn das? Das Einholen der Legitimation des abwesenden Partners zur Überbrückung der Trennungsperiode während des mehrstündigen Discothekaufenthalts? Das Warmhalten der erst-, zweit-, dritt-, viertbesten Alternative zur aktuellen Kontaktperson, falls der Abend doch nicht den gewünschten, ja angestrebten Abschluss bringen würde? Der von der modernen Gesellschaft und einem selbst aufgelegte Zwang jederzeit erreichbar zu sein, da die Befürchtung nahe liegt, man könne vergessen werden, wenn man nicht stets und ständig präsent ist? Ich werde mich mal nicht weiter damit beschäftigen. Ist ja Sonntag Abend. ;)
Etwas müde, ziemlich ko und viel zu nüchtern saßen wir in der bequemen Raucherecke und taten das, was an einem solchen Abend wohl das übliche ist. Die Musik war grottig, das Publikum übersichtlich und erwähnte ich schon, dass ich so gut wie nix betäubend-belustigendes wie zum Beispiel eine ausreichende Menge Ethanol in meinem Blutkreislauf hatte? Wir saßen also da und unterhielten uns. Nebenbei ließ ich meinen viel zu klaren Blick in der schummrigen Gegend umher schweifen. Vielleicht kreuzte ja ausgerechnet an diesem Abend Mr. Perfect meinen Weg oder wenigstens den meiner beisitzenden Freundin und das zumindest sollte mir nicht verborgen bleiben. Sofortige Maßnahmen nämlich wären die Folge. Aber.... nichts! Wie immer und wie auch nicht anders zu erwarten gewesen wäre. Statt dessen blieb mein geschultes Auge an einer für mein Verständnis bizarren, abstrakten Szene hängen:
Ein Pärchen, welches wohl keines war, hielt sich eng umgschlungen im Dämmerlicht. Stehend und körperlich so nah, dass kein Blatt Papier dazwischen gepasst hätte. Ein Arm fest um seinen Hals geschlungen, ein Arm um ihre Taille gelegt. Während sie so dicht aneinander gepresst standen, so als würden sie sich gegenseitig wärmen müssen, war ihr Gesicht vom leuchtenden Display ihres Handys erhellt! Ein weiterer Blick bestätigte meine Befürchtung: auch er war völlig auf den klitzekleinen Bildschirm seines Mobiltelefons fixiert.
Ähm, was bitteschön war denn das? Das Einholen der Legitimation des abwesenden Partners zur Überbrückung der Trennungsperiode während des mehrstündigen Discothekaufenthalts? Das Warmhalten der erst-, zweit-, dritt-, viertbesten Alternative zur aktuellen Kontaktperson, falls der Abend doch nicht den gewünschten, ja angestrebten Abschluss bringen würde? Der von der modernen Gesellschaft und einem selbst aufgelegte Zwang jederzeit erreichbar zu sein, da die Befürchtung nahe liegt, man könne vergessen werden, wenn man nicht stets und ständig präsent ist? Ich werde mich mal nicht weiter damit beschäftigen. Ist ja Sonntag Abend. ;)
Donnerstag, 6. Mai 2010
Eine Gretchenfrage?
Wenn ich nun behaupte, dass ich mich momentan mit klassischer Literatur beschäftige, weil sie mich interessiert, ist das genauso zutreffend wie die Tatsache, dass ich mit geistiger Überlegenheit anderer zwar durchaus umgehen kann, dies bei meinem Nachwuchs, der gerade zum ersten Mal genullt hat, aber noch so lange wie möglich hinaus zögern will.
Lange (Vor)Rede, kurzer Sinn: Auszugsweise las ich kürzlich Goethes Faust I und komm zu dem Schluss: H. Faust war ein ziemlicher Arsch! Harte Worte? Aber nicht unbegründet. Da kam es soweit, dass er, alternder Lüstling, das bislang brave, unbedarfte Gretchen anvisierte, ja sie rumkriegen wollte! Gretchen, blutjung und aus ärmlichen Verhältnissen stammend, wehrte zunächst jegliche Annäherungsversuche erfolgreich ab. Doch war sie angetan von dem großen, gebildeten Mann, der wusste, was er wollte. Sie.
Die Versuche, ihn zurück zu weisen, wurden immer halbherziger, bis sie eines Tages ihre berühmte Gretchenfrage stellte, welche frei interpretiert soviel bedeutete wie "Wirst du zu mir stehen, mich versorgen, dich um mich kümmern, wenn ich die Frucht deiner Lenden unter meinem Herzen trage?" Unglücklicherweise aber verstand sie aufgrund ihres niedrigen Bildungsgrades und seiner trefflich irreführenden, aber nicht unwahren Worte, nicht, was er ihr absichtlich nicht unter die Nase reiben wollte, gab schließlich nach und sie das taten, was Mann und Frau eben manchmal tun.
Aber wie sollte es anders sein: Er hatte bekommen was er wollte, der Reiz des Unerreichbaren war verflogen und ebenso schnell verschwand er wieder aus ihrem Leben und überließ sie ihrem Schicksal, welches in einer Tragödie endete.
Die Geschichte ist uralt, beruht gar auf einer wahren Begebenheit, welche Goethe einst in jungen Jahren während seiner Tätigkeit als Jurastudent im Gerichtssaal verfolgte. Doch das Thema ist noch heute aktuell. Er nutzte ihre Naivität und Unwissenheit schamlos aus, sie stürzte sich ins Verderben, eingewickelt vom Charme und Interesse seinerseits. Gibt es heute nicht mehr? - Gibt es wohl. Schon nur allein die Tatsache, anzunehmen, Willigkeit und Gefügigkeit könne einen Mann fest binden, lässt diesen Schluss zu.
...Und dabei wollte ich eigentlich nur den Osterspaziergang lesen.
Lange (Vor)Rede, kurzer Sinn: Auszugsweise las ich kürzlich Goethes Faust I und komm zu dem Schluss: H. Faust war ein ziemlicher Arsch! Harte Worte? Aber nicht unbegründet. Da kam es soweit, dass er, alternder Lüstling, das bislang brave, unbedarfte Gretchen anvisierte, ja sie rumkriegen wollte! Gretchen, blutjung und aus ärmlichen Verhältnissen stammend, wehrte zunächst jegliche Annäherungsversuche erfolgreich ab. Doch war sie angetan von dem großen, gebildeten Mann, der wusste, was er wollte. Sie.
Die Versuche, ihn zurück zu weisen, wurden immer halbherziger, bis sie eines Tages ihre berühmte Gretchenfrage stellte, welche frei interpretiert soviel bedeutete wie "Wirst du zu mir stehen, mich versorgen, dich um mich kümmern, wenn ich die Frucht deiner Lenden unter meinem Herzen trage?" Unglücklicherweise aber verstand sie aufgrund ihres niedrigen Bildungsgrades und seiner trefflich irreführenden, aber nicht unwahren Worte, nicht, was er ihr absichtlich nicht unter die Nase reiben wollte, gab schließlich nach und sie das taten, was Mann und Frau eben manchmal tun.
Aber wie sollte es anders sein: Er hatte bekommen was er wollte, der Reiz des Unerreichbaren war verflogen und ebenso schnell verschwand er wieder aus ihrem Leben und überließ sie ihrem Schicksal, welches in einer Tragödie endete.
Die Geschichte ist uralt, beruht gar auf einer wahren Begebenheit, welche Goethe einst in jungen Jahren während seiner Tätigkeit als Jurastudent im Gerichtssaal verfolgte. Doch das Thema ist noch heute aktuell. Er nutzte ihre Naivität und Unwissenheit schamlos aus, sie stürzte sich ins Verderben, eingewickelt vom Charme und Interesse seinerseits. Gibt es heute nicht mehr? - Gibt es wohl. Schon nur allein die Tatsache, anzunehmen, Willigkeit und Gefügigkeit könne einen Mann fest binden, lässt diesen Schluss zu.
...Und dabei wollte ich eigentlich nur den Osterspaziergang lesen.
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